Das Gautschen

 

Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdruckerbrauch, bei dem ein Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht wird.


Gautschen in Mainz


Das Gautschen in der Gutenbergstadt Mainz ist aber der weltweit größte Gautschakt. Es ist die zentrale Veranstaltung bei der Mainzer Johannisnacht und es sind jährlich mehrere Tausend Zuschauer bei der Zeremonie zwischen Gutenbergmuseum und Dom anwesend. Ab 2014 wird ein Ehrengautschbrief verliehen. Preisträger sind Personen, die sich um das Graphische Gewerbe oder im medialen Sektor verdient gemacht haben.


1968 wurde in Zusammenarbeit mit der damaligen IG Druck&Papier und der Stadt Mainz die Mainzer Johannisnacht aus der Taufe gehoben. Seit dieser Zeit wird das Gautschen von der Gewerkschaft, heute ver.di, organisiert und durchgeführt.


Geschichte des Gautschen


In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der Begriff „Gautschen“ den ersten Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers, das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage.

Zu einem Gautschakt gehören neben dem Gautschling der Gautschmeister, der Schwammhalter und die Packer. Meist gibt es noch eine unterschiedliche Zahl an Zeugen die auch auf dem Gautschbrief ihre Anwesenheit durch Unterschrift bekunden.


Nass geht es auch heute noch zu, wenn gegautscht wird. Aber nicht nur der Täufling wird nass, sondern oft auch die Packer, Zuschauer und auch Ehrengautschlinge, welche vorher nichts von ihrem „Glück“ wissen.


Dem Lehrling wird nicht genau mitgeteilt, wann er gegautscht wird.  Auf den Ruf des Gautschmeisters „Packt an!“ wird der Jünger gefasst, in eine mit Wasser gefüllte Bütte geschmissen. Da aber der Jünger sich oft tapfer wehrt, um sich schlägt und beißt, gelingt das Anpacken oft nicht immer auf den ersten Angriff. Je mehr er sich wehrt, desto mehr wird er auch noch von oben herab begossen, sodass der Jünger am ganzen Körper pudelnass wird. Gelegentlich wird das Gautschen als symbolische Maßnahme betrachtet, um angeblich die schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abzuwaschen.


Während des Gautschens hält der Gautschmeister eine launige Ansprache an den Jünger und das umstehende Publikum:


„PAKKT AN! LASST SEINEN CORPUS POSTERIORUM FALLEN AUF DIESEN NASSEN SCHWAMM / BIS TRIEFEN BEIDE BALLEN. DER DURSTGEN SEELE GEBT EIN STURTZBAD OBEN-DRAUFF / DAS IST DEM SOHNE GUTENBERGS DIE BESTE TAUFF“


Dazu der Text eines Gautschbriefes:

„Von Gutenbergs Gnaden thun wir Jünger Gutenbergs zu Leipzig jedem unserer Kunstgenossen kund und zu wissen / dass der Jünger der wohledlen Buchdruckerkunst Eckert, Paul nach altem Brauch und Herkommen heut mit Zuziehung der Gesellen untbenamster Offizin die Wassertauf ad posteriora erhalten hat und damit in sämtliche uns von dem Kaiser Friedrich III. verliehenene Rechte und Privilegien eingeführet ist. Kraft derselben gebieten wir allen unseren Kunstgenossen obenbenamsten Jünger Gutenbergs als ehrbaren Schwartzkünstler und rechtmäßigen Gesellen anzuerkennen.“

In einem anderen Gautschbrief aus Bern um 1900 heißt es: „Den alten Kunstgebrauch zu ehren, Thät er sich weder sträuben noch wehren. Erhielt die üblichen drei Stöße auf den Arsch. Und zappelte dabei wie ein Barsch. Darauf bezahlte er blank und bar Das altbekannte Gautschhonorar.“


Den Gautschbrief, der seine Taufe als Jünger Gutenbergs bestätigt, erhält der Gautschling erst am Gautschfest. Es soll Betriebe geben, die einen neuen Mitarbeiter bei Stellenantritt nach seinem Gautschbrief fragen und sofern er keinen vorweisen kann, muss das Gautschen nachgeholt werden.


In der Gegenwart werden außer Druckern auch Mediengestalter gegautscht.